Viele Frauen erleben in den Wechseljahren vermehrt Blasenbeschwerden oder wiederkehrende Harnwegsinfekte. Der Grund dafür liegt meist nicht in einer einzelnen Ursache, sondern ist meist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Warum Harnwegsinfekte in den Wechseljahren häufiger auftreten können

In den Wechseljahren befindet sich der Körper in einem hormonellen Umbau. Dies betrifft nicht nur den Zyklus, sondern zahlreiche Strukturen, die für die Blasengesundheit relevant sind. Mögliche begünstigende Faktoren sind unter anderem:

  • hormonelle Veränderungen
  • verminderte Blasenmuskelfunktion
  • Trockenheit und Reizung der Schleimhäute
  • Harnwegsinfektionen
  • Beckenbodenschwäche
  • Veränderungen im Mikrobiom (Darm- & Vaginalflora)
  • erhöhte Blasensensibilität
  • Medikamentennebenwirkungen z.B. Diuretika
  • Schwankender Flüssigkeitshaushalt z.B. durch Hitzewallungen
  • überaktive Blase (OAB)
  • Beckenbodenverspannungen
  • Blutdruck- & Kreislaufprobleme
  • Übergewicht
  • Diabetes oder andere Stoffwechselstörungen

Nicht jede Frau ist von allen Punkten betroffen, aber häufig überschneiden sich mehrere Faktoren.

Die Rolle der Vaginalschleimhaut

Unsere Scheide ist mit einem hormonabhängigen Epithel ausgekleidet. Östrogene spielen eine große Rolle für den Aufbau und Funktion dieser Schleimhaut. 

Sie 

  • regen die Zellteilung an, also beeinflussen den Aufbau der Schleimhaut
  • sorgen für dickere, elastischere und gut befeuchtete Schleimhaut 
  • unterstützen die Durchblutung, indem sie Einfluss auf die Kapillarversorgung nehmen

In unserer Vagina haben wir auch Bakterien, sogenannte Laktobazillen. Östrogene fördern die Bildung von Glykogen, das als „Futter“ der Laktobazillen dient. Diese Laktobazillen wiederum produzieren Milchsäure und sorgen dafür, dass der optimale vaginale pH-Wert zwischen 3,5 und 4,5. liegt.  Dieser niedrige pH-Wert sorgt dafür, dass potentiell krankmachende Keime sich nicht ansiedeln können bzw. ein übermäßiges Wachstum verhindert wird. 

Was passiert in den Wechseljahren?

Wie erwähnt, befindet sich der Körper in den Wechseljahren im hormonellen Umbau. Sinkende Östrogenspiegel verändern die Schleimhäute, und zwar alle. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, kann die vaginale Schleimhaut dünner, empfindlicher, trockener und anfälliger für Infektionen werden. 

Zeitgleich verändert sich das mikrobielle Gleichgewicht (die Anzahl an Milchsäurebakterien nimmt ab), was die Ansiedelung von unerwünschten Bakterien fördern kann. 

Die hormonellen Umstellung kostet Kraft und Energie. Kommen jetzt noch Stress, Schlafmangel oder zusätzliche Belastungen hinzu, können diese Effekt verstärkt und die Immunabwehr beeinträchtigt werden. 

Blase und Harnröhre: ein empfindliches System

Auch die Blase und die Harnröhre sind mit Schleimhaut überzogen und unterliegen hormonellen Einflüssen.

Bei Frauen ist die Harnröhre vergleichsweise kurz und liegt anatomisch nah am After.  Dadurch können Bakterien leichter in die Harnwege aufsteigen als bei Männern. Ist die Schleimhaut gleichzeitig weniger widerstandsfähig, verlieren die Harnwege einen Teil ihrer Schutzfunktion und Keime haben womöglich ein leichtes Spiel. 

Welche Rolle der Beckenboden spielt

Auch der Beckenboden spielt eine wichtige Rolle für die Blasengesundheit.

Sinkende Östrogenspiegel beeinflussen auch Muskulatur, Bindegewebe und die nervale Steuerung im Beckenbereich. Bei einem Mangel an Östrogenen kann der Beckenboden an Kraft und Koordination verlieren. Folge: der schwache Beckenboden oder eine Fehlspannung kann dazu führen, dass die Blase nicht vollständig entleert wird. Es verbleibt sogenannter Restharn in der Blase, der Bakterien günstige Bedingungen zur Vermehrung bieten kann. 

Die meisten unkomplizierten Harnwegsinfekte werden durch das Bakterium Escherichia Coli (kurz E.Coli) hervorgerufen. Diese Bakterien gehören in bestimmter Menge zur normalen, also physiologischen, Darmflora. Da der Eingang der Harnröhre bei Frauen anatomisch nahe am After liegt, können Darmbakterien leichter in die Harnröhre gelangen und in die Blase aufsteigen. Treffen  E.Colis dort auf eine geschwächte Schleimhaut und möglicherweise auf verbleibenden Restharn, kann dies die Entstehung wiederkehrender Harnwegsinfektionen begünstigen.

Mögliche Symptome: 

Blasen- und Harnwegsbeschwerden können sich unterschiedlich äußern, z.B. durch

  • Trockenheitsgefühl
  • Häufigen Harndrang
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Schmerzen im Unterbauch
  • unangenehm riechender Urin
  • Blut im Urin

⚠️ Hinweis:  Treten Fieber, Schüttelfrost, starken (Rücken)schmerzen oder Blut im Urin auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.  

Ein ganzheitlicher Blick lohnt sich 

Blasenbeschwerden in den Wechseljahren sind selten ein isoliertes Problem. Sie entstehen häufig aus dem Zusammenspiel von hormonellen Veränderungen, Schleimhautreaktionen, Muskel- und Nerveneinflüssen sowie äußeren Belastungen.

Wer die eigenen Symptome im Zusammenhang betrachtet, kann besser verstehen, warum der Körper jetzt anders reagiert als früher und welche Faktoren individuell eine Rolle spielen können. 

Manchmal ist genau dieses Verstehen der erste Schritt zur Entlastung.

⚠️ Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei wiederkehrenden Beschwerden, Blut im Urin, Fieber oder starken Schmerzen solltest Du unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.