Vielleicht hast du den Begriff Divertikel schon einmal gehört, zum Beispiel nach einer Darmspiegelung. Aber was bedeutet das eigentlich genau?
Was sind eigentlich Divertikel?
Divertikel sind Aussackungen / Ausstülpungen der Darmwand, meist im Dickdarm. Hierbei wird zwischen unechten und echten Divertikeln unterschieden.
- Unechte Divertikel sind Ausstülpungen der inneren Schichten. Die Schleimhaut (Mukosa) wird durch Lücken in der Muskulatur nach außen gedrückt.
- Bei echten Divertikeln wiederum stülpt sich die gesamte Darmwand
Unter Divertikulose wird das Vorhandensein mehrerer, kleiner Ausstülpungen verstanden, ohne dass Beschwerden vorhanden sind.
Die Aussackungen können grundsätzlich in allen Darmabschnitten auftreten. Meist treten sie an Stellen auf, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Häufig ist das Sigma, der letzte Abschnitt des Dickdarms, betroffen, da dort der Druck des Stuhls auf die Darmwände am stärksten ist. Im Sigma verlaufen viele Blutgefäße, die durch die Muskelschicht in die Darmwand eintreten. Diese Stellen sind physiologisch etwas schwächer und dadurch anfälliger
Die meisten Menschen mit Divertikeln sind beschwerdefrei. Die Divertikel werden häufig als Nebenbefund bei einer Koloskopie entdeckt.
Von einer Divertikelkrankheit wird gesprochen, wenn Divertikel zu Beschwerden führen.
Unter einer Divertikulitis wiederum versteht man eine Entzündung eines oder mehrerer Divertikel. Hierbei unterscheidet man zwei Verlaufsformen:
- a) die unkomplizierte Divertikulitis (ohne Abszess, Perforation, Fistel, Eiteransammlungen etc.) und
- b) die komplizierte Divertikulitis (mit Abszess, Fistel, Durchbruch, Verengung, Eiteransammlung usw.).
Wie entsteht eine Divertikulitis?
Vielleicht fragst du dich, wie es überhaupt dazu kommt, dass sich Divertikel entzünden.
Die genaue Entstehung ist nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Als möglicher Faktor wird ein erhöhter Druck im Darm diskutiert, zum Beispiel bei Verstopfung. Dadurch kann die Schleimhaut stärker belastet werden und es entstehen kleine, oft unbemerkte Schleimhautschäden.
In diesen Bereichen können Darmbakterien leichter in die Darmwand gelangen und dort eine Entzündungsreaktion auslösen
In manchen Fällen können auch eingedickte Stuhlreste (sogenannte Koprolithen) in den Divertikeln liegen und zusätzlich zur Reizung beitragen. Sie gelten jedoch nicht als alleinige Ursache.
Zahlen
Laut Angaben der München Klinik leiden Schätzungen zufolge mehrere Millionen Menschen in Deutschland an Divertikeln. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter: ca. 30% der über 60-jährigen sind betroffen, während bei den über 85-Jährigen bereits über 65 % sind (siehe München Klinik). Schätzungen zufolge erleiden 10-25 % aller Betroffenen, im Laufe ihres Lebens eine Divertikulitis, also eine Entzündung von Divertikeln.
Risikofaktoren für Divertikel
Die genauen Ursachen für die Entstehung der Divertikel ist noch nicht vollständig geklärt. Es werden aber einige Faktoren genannt, die mit der Entstehung im Zusammenhang stehen können:
- Hohes Lebensalter
- Ernährung mit wenig Ballaststoffen
- Starkes Übergewicht
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Schwaches Bindegewebe
- Chronische Verstopfung und damit verbundenes starkes Pressen beim Stuhlgang.
Im Gespräch stehen auch Immunsuppressiva oder die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente.
Mögliche Symptome
Schmerzen im linken Unterbauch, weswegen sie umgangssprachlich auch „Links-Appendizitis“ genannt wird. Die „klassische“ Blinddarmentzündung (Appendizitis) schmerzt meist rechts, während die Divertikulitis eben das Pendant auf der linken Seite ist.
Begleitend können Symptome wie Blähungen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfungen oder Durchfall auftreten.
Bei bekannten Divertikeln und damit verbundenen Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Eine Divertikulitis kann nämlich im schlimmsten Fall weitere Komplikationen mit sich bringen, wie eine Fistel oder einen Durchbruch.
Mögliche Faktoren, die deinen Darm beeinflussen können
Welche Maßnahmen vorbeugend wirken, ist noch nicht vollständig geklärt.
Es wird davon ausgegangen, dass ballaststoffreiche Ernährung die Konsistenz des Stuhls beeinflussen kann. Auch körperliche Bewegung kann die Darmtätigkeit unterstützen.
Ein weiterer Aspekt, der oft unterschätzt wird, ist das gründliche Kauen. Je besser die Nahrung zerkleinert und mit Speichel vermischt wird, desto leichter kann sie im weiteren Verdauungsprozess verarbeitet werden.
Auch wenn ein direkter Zusammenhang mit der Entstehung von Divertikeln oder Entzündungen nicht eindeutig belegt ist, kann eine gute Kauweise die Verdauung insgesamt unterstützen.
Häufig wird vom Verzehr von Nüssen, Körnern, Mais und Popcorn abgeraten, da vermutet wurde, dass sich Körner, Samen oder Bestandteile in den Divertikeln sammeln und Entzündungen verursachen können. Dies wurde mittlerweile widerlegt.
Achtung! Bei einer akuten Entzündung oder direkt nach einer OP gelten andere Ernährungsempfehlungen. Daher sollte Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden
Neben Ballaststoffen rückt auch das Mikrobiom in den Fokus. Ein Ungleichgewicht der Darmflora ist zwar keine direkte Ursache für Divertikel, wird aber als möglicher Einflussfaktor diskutiert.
Mein Fazit
Obwohl Divertikel oft nur ein Zufallsbefund sind, lohnt es sich, dem eigenen Darm Aufmerksamkeit zu schenken. Durch kleine Anpassungen im Alltag, wie ballaststoffreiche Ernährung und gründliches Kauen, kannst du deine Verdauung unterstützen.
Wenn du dir unsicher bist, wie du deine Beschwerden einordnen kannst oder Fragen rund um deinen Darm hast, kann ein persönliches Gespräch sinnvoll sein. Ich begleite dich gerne dabei, deine Situation besser zu verstehen und mögliche Zusammenhänge einzuordnen. Schreib mir einfach eine Nachricht oder vereinbare direkt einen Termin.
Disclaimer: Die Inhalte dieses Beitrags dienen rein der Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar und ersetzen nicht den Besuch bei einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft. Bei akuten Beschwerden suche bitte umgehend ärztliche Hilfe auf.
Quellen
Divertikelkrankheit und Divertikulitis (2026). Verfügbar unter: https://www.gesundheitsinformation.de/divertikelkrankheit-und-divertikulitis.html (20.04.2026)
München Klinik. Divertikulitis (o.J.). Verfügbar unter: https://www.muenchen-klinik.de/darm/divertikulitis/#c82246(20.04.2026)
