Immer wieder liest und hört man von einem Leaky Gut — auf Deutsch oft als „löchrigen Darm“ oder „durchlässigen Darm“ bezeichnet. Aber was genau steckt dahinter und warum ist die Schleimhaut des Darms so wichtig? In diesem Beitrag erkläre ich dir einfach und verständlich, wie eine intakte Darmschleimhaut aufgebaut ist, was bei einem Leaky Gut passiert und welche Risikofaktoren die Durchlässigkeit fördern können.

Kurz gesagt

Unter einem „Leaky Gut“, umgangssprachlich auch löchriger Darm bezeichnet, wird eine erhöhte Durchlässigkeit verstanden. Keine Angst: Der Darm ist nicht durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Damit gemeint ist eine gestörte Darmschleimhaut. Dadurch können Substanzen aus dem Darminneren in das Gewebe und die Blutbahn gelangen. Folglich kann das Immunsystem reagieren und entzündliche Prozesse begünstigt werden.

Aufbau einer intakten Darmschleimhaut

Aber fangen wir mal von vorne an. Wie ist überhaupt eine intakte Darmschleimhaut aufgebaut?

Unser Darm ist wie ein Wasserschlauch: innen ist der Schlauch hohl. Dies nennt sich Lumen. Von innen (vom Lumen) nach außen sieht der Aufbau wie folgt aus:

  • Darmflora mit unserem Mikrobiom
  • Schleimschicht (Mukus)
  • Epithelzellen (Enterozyten) mit  Tight Junctions (Zellverbindungen)
  • darmassoziiertes Immunsystem
  • Muskelschicht
  • Bindegewebe

Das Mikrobiom ist unsere erste Abwehreinheit. Die „guten“ Darmbakterien verdrängen krankmachende Keime, produzieren schützende Stoffe (z.B. kurzkettige Fettsäuren) und kommunizieren mit den Darmzellen und dem Immunsystem.

Die zweite Ebene ist die Darmschleimschicht (Mukus). Sie stellt eine weitere Schutzschicht dar, Sie hält Bakterien auf Abstand und schützt die Epithelzellen. Wenn das Mikrobiom gestört ist, wird oft auch die Schleimschicht dünner oder ihre Zusammensetzung ungünstig verändert.

Unter der Schleimschicht befinden sich die Epithelzellen. Sie sind dicht aneinander gereiht. Die Zwischenräume  werden von den Tight Junctions kontrolliert.

Stell dir eine Maur: Die Ziegel sind die Zellen und die Fugen sind die Tight Junctions. Diese Tight Junctions fungieren als Türsteher: Sie „öffnen die Türen“ und lassen wichtige Nährstoffe durch und weisen Schadstoffe ab. Darunter befindet sich das darmassoziierte Immunsystem. 

Alle genannten Schichten arbeiten zusammen. 

Was passiert beim Leaky Gut?

Beim Leaky Gut ist diese Barriere nicht mehr vollständig intakt. 

Die Tight Junctions, also unsere Türsteher, sind nicht mehr so streng beim Ein- bzw. Durchlass. Sie werden „durchlässiger“. Die Folge: größere Moleküle, Bakterienbestandteile oder nicht vollständig verdaute Nahrungsbestandteile können in das umliegende Gewebe oder in die Blutbahn gelangen. Unser Körper erkennt diese Betsandteile als „fremd“. Folglich kann unser Immunsystem darauf reagieren und Entzündungsprozesse anstoßen.

Wir kennen das vom Haus: Wenn die Fugen einer Wand bröckeln, kann Feuchtigkeit ins Mauerwerk gelangen und Schaden (z.B. Schimmel) anrichten.  Ähnlich können bei lockeren Tight Junctions Beschwerden entstehen.

Mögliche Risikofaktoren für einen Leaky Gut

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die mit einer erhöhten Darmdurchlässigkeit in Verbindung gebracht werden. Nicht alle führen zwangsläufig zu einem Leaky Gut, aber sie können das Risiko erhöhen oder bestehende Dysbalancen verschlechtern:

  • Antibiotika-Einsatz: Kann das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen
  • Langfristige Einnahme von NSAIDs (z. B. Ibuprofen): Können die Darmschleimhaut reizen
  • Chronischer oder intensiver Stress: Beeinflusst Verdauung und Immunantwort
  • Hoher Alkoholkonsum: Schädigt Schleimhaut und Mikrobiom
  • Infektionen (bakteriell, viral, parasitär)können die Schleimhaut schädigen.
  • Ungünstige Ernährung: Sehr stark verarbeitete Lebensmittel, viel Zucker oder bestimmte Zusatzstoffe stehen in Verdacht, das Mikrobiom zu verschieben.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten / -sensibilitäten: Können lokale Entzündungen fördern.
  • Chronische Erkrankungen / Entzündungen: Autoimmunerkrankungen oder chronische Entzündungszustände gehen häufig mit veränderter Darmbarriere einher
  • Alter und Genetik: Manche Menschen sind genetisch oder altersbedingt anfälliger.

Mögliche Beschwerden bei einem Leaky Gut 

Jeder Körper ist individuell und so auch die Symptome. Häufig berichtet werden:

  • Blähungen, Völlegefühl, Wechselhafte Stühle (mal Durchfall, mal Verstopfungen), krampfartige Schmerzen
  • Müdigkeit oder Leistungsabfall
  • Verstärkte Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Infektanfälligkeit
  • Konzentrations- / Gedächtnisstörungen („brain fog“)
  • Hautveränderungen (z.B. unreine Haut, Rötungen, Neurodermitis-Schübe)
  • Gelenk- oder Muskelschmerzen
  • Unklare, wiederkehrende Beschwerden, die schwer zuzuordnen sind
  • Bei manchen PatientInnen verstärkte Insulinresistenz, Gewichtszunahme 

Wichtig: Diese Beschwerden sind nicht spezifisch für einen Leaky Gut und können viele unterschiedliche Ursachen haben. Sie erlauben keine eigenständige Diagnose.

Diagnostik

Ein Leaky Gut ist in der Darmspiegelung (Koloskopie) nicht sichtbar.

Eine ausführlichen Anamnese, die Abklärung auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie eine Stuhldiagnostik können Hinweise auf eine veränderte Darmbarriere liefern. Solche Befunde sollten immer im Gesamtzusammenhang interpretiert werden.

Therapie

Die Darmbarriere kann unterstützt und stabilisiert werden. Die Therapie bei Leaky Gut ist individuell, jedoch werden meistens drei Ziele verfolgt:

  • Darmbarriere stärken
  • Entzündungen reduzieren
  • Mikrobiom ins Gleichgewicht bringen 

Wann du dir Unterstützung holen solltest

Wenn du wiederkehrende oder belastende Beschwerden hast, die du nicht einordnen kannst, ist es sinnvoll, das Thema mit einer Fachperson zu besprechen. 

Wenn du möchtest, vereinbare gern einen (Telefon-)Termin in meiner Praxis. Dann schauen wir uns deine Geschichte gemeinsam an und besprechen, was als nächstes sinnvoll sein kann.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung oder Diagnostik. Bei akuten oder schweren Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt.