Das Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein komplexes Syndrom aus hormonellen und stoffwechselbedingten Veränderungen. Es zählt zu den häufigsten Störungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Der PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V. gibt an, dass ca. 5% aller Frauen im gebärfähigen Alter an PCOS erkrankt sind. Dies entspreche einer Anzahl von ca. 1 Million Frauen in Deutschland.

Wichtig:  PCOS bedeutet nicht nur „Zysten am Eierstock“. Es handelt sich um ein komplexes Zusammenspiel aus hormonellen Störungen und Stoffwechselveränderungen, das sich bei jeder Frau anders äußert.

Ursachen – warum entsteht PCOS?

Die genauen Ursachen für die Entstehung sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken:

  • Genetische Veranlagung
  • Hormonelle Dysregulation
  • Stoffwechselveränderungen
  • Umwelt- und Lebensstilfaktoren

PCOS kann Frauen aller Körperformen betreffen und zeigt sich in sehr unterschiedlichen Symptomen.

Der hormonelle Regelkreis – Grundlage für deinen Zyklus

Wichtig vorab:  Hormone ploppen nicht einfach heraus.  In unserem Körper haben wir ein fein abgestimmtes Steuerungssystem für die Bildung der Hormone: die Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse.

Um es verständlicher zu erklären, kannst du dir das wie eine kleine Hierarchie vorstellen:

  • Der Hypothalamus ist der „Chef
  • Die Hypophyse ist der „Abteilungsleiter
  • Die Eierstöcke sind die „Mitarbeiter“, die die Hormone produzieren

Der Hypothalamus gibt das Startsignal (GnRH). Die Hypophyse reagiert darauf und schüttet die Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierende Hormon) aus. Diese gelangen zu den Eierstöcken und steuern dort die Reifung der Eizellen sowie die Hormonproduktion.

In einem gesunden Zyklus greifen diese Abläufe wie Zahnräder ineinander.

In den Eierstöcken reifen in jedem Zyklus mehrere Eibläschen (sogenannte Follikel) gleichzeitig heran und jeder dieser Follikel enthält eine Eizelle.  Unter dem Einfluss des Hormons FSH werden diese Follikel zunächst zum Wachstum angeregt.

In den Eierstöcken arbeiten verschiedene spezialisierte Zellen eng zusammen, damit ein Follikel vollständig heranreifen kann: Zum einen produzieren die sogenannten Thekazellen unter dem Einfluss von LH (luteinisierendes Hormon) Androgene, also männliche Hormone. Zum anderen werden diese Androgene von den benachbarten Granulosazellen, beeinflusst durch FSH, in Östrogene umgewandelt. Diese Östrogene sind entscheidend für die weitere Reifung der Follikel, denn im Verlauf des Zyklus setzt sich in der Regel ein Follikel durch: der sogenannte dominante Follikel. Er reagiert am empfindlichsten auf FSH und produziert die größte Menge an Östrogen.

Die steigenden Östrogenspiegel führen schließlich zu einem starken Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH), dem sogenannten LH-Peak, der den Eisprung auslöst, d.h. der Follikel platzt auf und gibt die Eizelle frei. Zurück bleibt die Hülle, das Gelbkörperhormon, welches Progesteron produziert. Die restlichen kleinen Follikel, die nicht dominant sind, bauen sich wieder ab.

Parallel dazu produzieren die Granulosazellen auch ein Hormon namens Inhibin. Dieses wirkt wie eine Rückmeldung an das Gehirn und sorgt dafür, dass weniger FSH ausgeschüttet wird, also eine wichtige Regulation, damit nicht zu viele Follikel gleichzeitig weiterreifen.

Beim Polyzystisches Ovarialsyndrom gerät genau dieses Zusammenspiel durcheinander.

Was passiert bei PCOS?

Zwar reifen zunächst mehrere Follikel heran (wie im gesunden Zyklus auch), doch keiner entwickelt sich vollständig zu einem dominanten Follikel. Dadurch bleibt der Eisprung häufig aus. Die unreifen Follikel sammeln sich in den Eierstöcken an. Es entsteht eine Art Follikelstau. Im Ultraschall wurden früher diese vielen kleinen, unausgereiften Follikel fälschlicherweise für Zysten gehalten. Daher auch der Name „Poly (= viele) zystisches Ovarialsyndrom.

Ohne Eisprung entsteht kein Gelbkörper und es wird kaum Progesteron gebildet. Progesteron hat aber eine wichtige Aufgabe im Zyklus: es signalisiert dem Hirn normalerweise, dass die Hormonproduktion wieder gedrosselt werden soll (negative Rückkopplung). Fehlt diese Rückmeldung, bleibt das System aktiv gestellt. Durch dieses Ungleichgewicht kann im Körper zu viel Östrogen im Verhältnis zu Progesteron vorliegen.

In der Folge ist das luteinisierende Hormon (kurz LH) häufig relativ erhöht, während das follikelstimulierende Hormon FSH nicht ausreichend wirksam ist. Dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass die Follikelreifung weiter gestört wird.

Gestörte LH/FSH-Achse

Aber warum ist das LH bei PCOS oft erhöht und das FSH erniedrigt?

Das liegt an einer Störung im Taktgeber unseres Hormonsystems, dem Hypothalamus. Dieser sendet bei PCOS seine Startsignale (GnRH) in einer viel zu hohen Frequenz aus. Die Hypophyse reagiert auf dieses schnelle Trommeln, indem sie bevorzugt, das luteinisierende Hormon (LH) produziert, während die Produktion des follikelstimulierenden Hormons (FSH) nicht hinterherkommt. 

 Zudem fehlt die negative Rückkopplung durch das fehlende Progesteron. Das Gehirn erhält keine Rückmeldung, dass es die Hormonproduktion drosseln soll, und treibt die Produktion weiter an so entsteht ein dauerhafter LH-Überschuss (statt eines kurzen Anstiegs vor dem Eisprung), der die Eierstöcke zur Produktion männlicher Hormone anregt, während das zu niedrige FSH nicht ausreicht, um eine Eizelle vollständig reifen zu lassen. 

Und wie weiter oben beschrieben, werden diese von den Granulosazellen zu Östrogen umgewandelt. 

Veränderungen am Eierstock

Beim Polyzystisches Ovarialsyndrom kann sich zusätzlich die Struktur des Eierstocks verändern. Die äußere Hülle des Eierstocks wird oft dicker und fester. Gleichzeitig gerät das hormonelle Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht. Beides zusammen kann dazu führen, dass Eibläschen schlechter reifen und der Eisprung seltener oder gar nicht stattfindet.


PCOS und Insulinresistenz

Ein zentraler Faktor beim Polyzystischen Ovarialsyndrom ist die sogenannte Insulinresistenz. Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet und wirkt im Körper wie ein Schlüssel. Es sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangen kann, wo er als Energie genutzt wird. 

Bei einer Insulinresistenz passt dieser Schlüssel nicht mehr richtig ins Schloss. Die Zellen reagieren schlechter, und der Zucker bleibt vermehrt im Blut. Der Körper versucht das auszugleichen, indem er immer mehr Insulin produziert.

Und genau hier beginnt das Problem: Zu viel Insulin wirkt nicht nur auf den Blutzucker, sondern auch auf die Hormone.

Hohe Insulinspiegel stimulieren die Thekazellen in den Eierstöcken, vermehrt Androgene, wie Z.B. Testosteron zu bilden. 

Insulin senkt gleichzeitig die Produktion des sexualhormonbindenden Globulins (SHBG) in der Leber.  Das SHBG kann man sich wie ein Transport- und „Bindungsprotein“ vorstellen. Es bindet einen Teil der Hormone im Blut, zum Beispiel Testosteron, und macht sie dadurch weniger aktiv.

Hohe Insulinspiegel bedeuten, dass mehr freie, ungebundene Hormone im Blut unterwegs sind – und genau diese sind biologisch aktiv. Diese freien Hormone, insbesondere Testosteron, können dann stärker auf den Körper wirken.

Das kann typische Symptome verstärken wie:

  • Hirsutismus
  • Akne
  • Haarausfall

Auf diese Weise verstärkt die Insulinresistenz das hormonelle Ungleichgewicht zusätzlich und trägt zu Symptomen wie Zyklusstörungen, Gewichtszunahme und Hirsutismus bei.

Die 4 PCOS-Typen

PCOS lässt sich in vier Typen unterteilen, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sind. Diese Einteilung ist kein offizieller Leitlinienstandard, kann aber beim Verständnis der unterschiedlichen Formen helfen.

a) PCOS durch Insulinresistenz

Diese Form tritt häufig mit Übergewicht, Heißhunger und hohen Insulinspiegeln auf.

b) PCOS durch stille Entzündungen

Stille Entzündungen sind leichte Entzündungen, die im Körper kaum spürbar sind, aber den Stoffwechsel und das Hormonsystem beeinflussen können. Diese Entzündungen können eine Insulinresistenz verstärken. Stress und Zuckerreiche Nahrung können wiederum Entzündungen fördern.

c) Nebennieren-induzierte PCOS

Dieser Typ wird durch chronischen Stress, der zu einem hohen DHEA-Spiegel führt, begünstigt. DHEA steht für Dehydroepiandrosteron, wird in der Nebennierenrinde produziert und ist ein Vorläuferhormon von Testosteron und Östrogen. Ein zu hoher DHEA-Wert kann zu Symptomen der Vermännlichung bei Frauen führen und Symptome wie fettige Haut, Haarausfall und Hirsutismus führen. 

d) Post-Pill PCOS

Diese Form ist kein klassischer PCOS Typ. Er tritt nur vorübergehend nach Absetzen der Antibaby-Pille auf, bis sich die eigene Hormonproduktion wieder eingependelt hat. 

Häufig treten Mischformen aus allen vier Typen auf.   

Mögliche Symptome

Die Symptome und deren Ausprägung sind so vielfältig wie die Betroffenen selbst. Es gibt einige häufig auftretende Symptome:

  • unregelmäßige, seltene oder ausbleibende Menstruation 
  • Kinderlosigkeit 
  • vermehrte Behaarung an Kinn, Oberlippe, Brust, Bauch oder Rücken
  • Akne / fettige Haut
  • Haarausfall („Geheimratsecken“, lichter werdendes Haar)
  • Gewichtszunahme bzw. erschwerte Gewichtsabnahme
  • Hinweise auf Insulinresistenz

Psychische Belastung

Die Erkrankung kann auch die Seele stark belasten. Stimmungsschwankungen, Ängste oder Depressionen entstehen oft nicht nur durch das hormonelle Ungleichgewicht selbst, sondern auch durch den Leidensdruck aufgrund körperlicher Veränderungen, ein sinkendes Selbstbewusstsein oder einen unerfüllten Kinderwunsch.

Diagnostik (Rotterdam-Kriterien)

Um die Diagnose PCOS zu stellen werden die Rotterdam-Kriterien genutzt. Sie gelten als internationaler Standard zur Diagnosestellung.

Die Diagnose PCOS kann gestellt werden, wenn mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind.

  1. Oligo- oder Anovulation (seltene / fehlende Eisprünge mit der Folge unregelmäßige / ausbleibende Menstruation
  2. Hyperandrogenismus, der sich durch Akne, Haarausfall oder Hirsutismus sowie erhöhte Androgene im Blutlabor zeigt
  3. Im Ultraschall sind Polyzystische Ovarien sichtbar. Also ein Ovar mit mindestens 20 Follikeln und einem Ovarvolumen von min. 10 ml. Alternativ kann ein erhöhter Wert des Anti-Müller-Hormons auf viele kleine Follikel hinweisen. 

Andere mögliche Ursachen für ähnliche Symptome müssen ausgeschlossen werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Schilddrüsenerkrankungen (zu wenig oder zu viel Schilddrüsenhormon)
  • Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktin-Spiegel)
  • Nebennierenrindenstörungen (z. B. kongenitale Adrenogenitalerkrankung)
  • Seltene Tumoren der Eierstöcke oder Nebennieren
  • Bestimmte Medikamente, die Zyklus oder Hormone beeinflussen

Erst wenn diese Ursachen ausgeschlossen sind, kann die Diagnose PCOS gestellt werden.

Was du selbst tun kannst

Mit ein paar Lebensstiländerungen kannst du dein hormonelles Milieu positiv beeinflussen:

  • Ernährungsumstellung:  Eine Ernährung, die reich an Ballaststoffen und antientzündlichen Lebensmitteln ist, kann helfen den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und so die Androgenproduktion zu drosseln.
  • Gezielte Bewegung: Regelmäßiges Training (besonders Krafttraining oder moderates Ausdauer-Training) kann die Sensitivität deiner Zellen für Insulin verbessern. Extrem intensives Training, das den Körper unter Dauerstress setzt, sollte vermieden werden, um die Nebennieren nicht zusätzlich zu belasten
  • Ausreichender Schlaf und Stressreduktion können das hormonelle Gleichgewicht unterstützen

PCOS – Begleitung in meiner Praxis

PCOS ist so individuell wie du selbst. In meiner Praxis betrachte ich nicht nur einzelne Symptome, sondern das gesamte Zusammenspiel von Stoffwechsel und Hormonsystem. Mein Ziel ist es, dich mit naturheilkundlichen Impulsen ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung zu unterstützen.

Gemeinsam können wir uns folgende Bereiche anschauen:

  • Individuelle naturheilkundliche Konzepte: Unterstützung zur Zyklusharmonisierung (z.B. mit Phytotherapie).
  • Ohrakupunktur & Massagen: Diese Maßnahmen können helfen, Stress abzubauen und das vegetative Nervensystem zu beruhigen.
  • Gezielter Einsatz von Mikronährstoffe: Eine Auswahl an Nährsoffen um Stoffwechsel und Hormonhaushalt zu unterstützen.
  • Fokus Darmgesundheit: Da der Darm eine wichtige Rolle im Hormonstoffwechsel spielt, kann eine Analyse des Mikrobioms ein wertvoller Baustein sein

Wichtig zu wissen: Meine Arbeit versteht sich als ergänzende Begleitung zur klassischen Schulmedizin – nicht als Ersatz. Ich erstelle für jede Patientin ein individuelles Konzept, das Ernährung, Lebensführung und naturheilkundliche Ansätze kombiniert. Bitte beachte, dass viele naturheilkundliche Methoden der Erfahrungsmedizin zuzuordnen sind und ihre Wirksamkeit nicht immer durch wissenschaftliche Studien im Sinne der evidenzbasierten Medizin belegt ist.

Fazit

PCOS ist komplex, aber erklärbar. Wer versteht, was im Körper passiert, kann gezielter handeln und womöglich Symptome verbessern. 

Du hast Fragen oder bist unsicher, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist? Dann berate ich dich gerne in einem kostenlosen 10-minütigen telefonischen Infogespräch. Hier kannst du dir deinen Termin reservieren.

Häufig gestellt Fragen zu PCOS

Häufig gestellt Fragen zu PCOS

Bislang ist PCOS nicht heilbar, aber die Begleitsymptome lassen sich beeinflussen, vor allem durch Lebensstiländerungen und individuelle Therapie.

Bei PCOS ist die Kommunikation zwischen Hirn und Eierstöcken gestört, was unregelmäßige Zyklen begünstigen kann. 

Die Hormone ploppen nicht einfach raus. Es werden Signale ausgetauscht. Diese Signale, die den Eisprung auslösen sollen, laufen nicht so ab, wie sie sollen. Die Eizellen werden unregelmäßig freigesetzt, was zu Verzögerungen, Ausbleiben oder Unvorhersehbarkeit der Menstruation führen kann.

Durch erhöhte männliche Hormone (Androgene) kann es zu verstärktem Haarwuchs kommen, zum Beispiel im Gesicht oder am Bauch. Das nennt man Hirsutismus.

Häufig spielt eine Insulinresistenz eine Rolle. Hohe Insulinspiegel fördern die Fettspeicherung und erschweren gleichzeitig den Fettabbau.


⚠ Wichtiger Hinweis / Disclaimer

Meine Blog-Beiträge dienen zur Information. Die Inhalte sind als ergänzende, individuelle Begleitung zur Schulmedizin zu verstehen. Ein Heilerfolg oder eine Beschwerdelinderung kann nicht garantiert werden. Sie ersetzen nicht den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Sie sollen nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstmedikation eingesetzt werden.